Kurhaus Dangast

In Dangast darf jeder sein, wie er ist.

Vom Hafen bis zum Campingplatz ist alles fest in Tapken-Händen.

Draußen steht ein klappriges Fahrrad neben dem schicken Cabriolet. Auf der Treppe zwischen Kurhaus und Uferpromenade hockt eine Blondine in Motorradkluft und löffelt ihren Rhabarberkuchen. Am Tisch sitzt der Dichter mit der Baskenmütze, blickt aufs Meer hinaus und schreibt ein paar Zeilen in sein Notizbuch. Der zottelige große Hund in der Ecke blickt müde auf, als eine edle Weimaranerhündin an ihm vorbeigeht.



Im Wasser steht die nackte grüne Jade. Der Künstler Anatol Herzfeld hat sie 1975 dort aufgestellt. Daneben weht die Regenbogenfahne. Nur eine Fahne fehlt – lila. Peter Vogel wollte damit 1978 auf die bedrohte Natur hinweisen. Dann 1984 der Knaller: Bildhauer Eckart Grenzer stellt einen mannshohen Phallus an den Strand. Er soll das Verbindungsglied zwischen dem weiblichen Meer und der männlichen Erde darstellen. Die Tapkens lassen sie alle wohlwollend gewähren.

Karl-August Tapken hat 1977 das Kurhaus von seinem Vater Anton Tapken übernommen. Der hatte das Erbe seines Vaters Karl Christian Gramberg seit 1935 mächtig anwachsen lassen. Der Familie Tapken gehört Dangast vom Hafen bis zur Rennweide, inklusive dem Strand vor dem Kurhaus. Friedrich Wilhelm Tapken betreibt die Kurhaus Klause, das ehemalige Badehaus in dem ersten Seebad der Nordseeküste. Bruder Anton Tapken schippert mit dem Ausflugsschiff „Etta von Dangast“ durch den Jadebusen. Schwester Inge Tapken führt den Campingplatz an der Rennweide und Hannes Tapken weiht als Fremdenführer Gäste in die Geheimnisse entlang des Dangaster Kunstpfades ein.

Ein Motorrad blubbert. Die Sonne steht tief über dem Wattenmeer. Viele Gäste sind schon gegangen. Nur der Dichter sitzt noch an seinem Platz. „Das ist die schönste Zeit des Tages“, flüstert er dem älteren Herren zu, der vor ihm an der Uferpromenade steht. Der Mann in Buntfaltenhose und Kragenhemd nickt bedächtig. Auf dem Schlick spiegelt sich die rote Glut der untergehenden Sonne.


Blick vom Kurhaus